Dass Strom aus der Steckdose kommt und Wasser aus dem Hahn, galt in Deutschland jahrzehntelang als selbstverständlich. Doch wie sicher ist unsere Versorgung wirklich, was kostet die Energiewende und wer bringt die unterschiedlichsten Interessen einer ganzen Branche zusammen? In dieser Episode spreche ich mit Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, über Versorgungssicherheit, ein neues Narrativ der Energiewende und die Frage, wie man die unterschiedlichen Interessen von über 2.100 Mitgliedsunternehmen vertreten kann.
Wie sichern wie unsere Energie?
Kerstin Andreae leitet mit dem BDEW einen der größten Wirtschaftsverbände des Landes. Im Gespräch reden wir über die Energiewende, über die Frage, was sie kostet und was sie uns als Wirtschaftsstandort bringen kann. Und natürlich über Versorgungssicherheit, ein Thema, das nach den Anschlägen auf das Berliner Stromnetz im Januar eine ganz neue Dringlichkeit bekommen hat.
Kerstin erklärt, warum die Energiewende ein neues Narrativ braucht, das über den Klimaschutz hinausgeht. Ihr Argument: Resilienz und strategische Unabhängigkeit sind die Gründe, die heute überzeugen. Deutschland importiert jährlich für rund 80 Milliarden Euro Öl und Gas. Wer die Energieversorgung stärker auf eigene Füße stellt, gewinnt nicht nur beim Klimaschutz, sondern auch an wirtschaftlicher Souveränität.
Außerdem sprechen wir darüber, wie man einen Verband führt, dessen Mitglieder teilweise völlig unterschiedliche Interessen verfolgen, von großen Energiekonzernen bis zu kleinen Stadtwerken, von Stromerzeugern bis zu Netzbetreibern. Und warum der Wechsel von 17 Jahren Parteipolitik in die überparteiliche Verbandsarbeit gar nicht so schwer war, wie man denken könnte.
Wir haben dieses Gespräch im Januar 2026 aufgezeichnet. Dass das Thema Versorgungssicherheit jetzt, im März 2026 durch den Konflikt im Nahen Osten noch einmal so sehr in den Mittelpunkt gerückt ist, zeigt, wie aktuell und drängend diese Fragen sind.
Zur Person: Kerstin Andreae
Kerstin Andreae hat Volkswirtschaft studiert und war von 2002 bis 2019 Mitglied des Deutschen Bundestages für Bündnis 90/Die Grünen. In der Fraktion arbeitete sie sich von der einfachen Abgeordneten bis zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden hoch. Seit November 2019 ist sie Hauptgeschäftsführerin des BDEW. Privat ist Kerstin Mutter von drei Kindern, begeisterte Ausdauersportlerin und leidenschaftliche Leserin. Mit zehn Freundinnen trifft sie sich regelmäßig zum Büchertausch. Und ihr Hund sorgt zuverlässig für gute Laune, denn wie sie sagt: Wenn die Freude beim Heimkommen nicht reicht, geht man einfach nochmal raus und wieder rein.
Über den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft
Der BDEW vertritt als Branchenverband mehr als 2000 Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft in Deutschland. Die Mitglieder reichen von großen Energieversorgern über Netzbetreiber bis hin zu kommunalen Stadtwerken und decken die gesamte Wertschöpfungskette ab: Erzeugung, Handel, Vertrieb, Netze und Speicher, dazu die Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung. Der Verband versteht sich als politischer Fachverband und Scharnier zwischen Wirtschaft und Politik auf Bundes-, Landes- und europäischer Ebene. Rund die Hälfte der Mitgliedsunternehmen arbeitet aktiv in Gremien mit und gestaltet so die Positionen des Verbandes.






