Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) im Podcast Chefetage

Wolfgang Große Entrup, Verband der Chemischen Industrie (VCI)

Kaum eine Branche hängt so sehr an Energiepreisen, Rohstoffen und Regulierung wie die Chemie. Dr. Wolfgang Große Entrup führt als Hauptgeschäftsführer den Verband der Chemischen Industrie (VCI). Mit ihm spreche ich darüber, wie ernst die Lage der Chemie- und Pharmaindustrie ist und was jetzt passieren muss. Außerdem geht es um Nachhaltigkeit im Wandel und um Lobbyarbeit mit klaren Worten.

Haben Chemie und Pharma in Deutschland noch eine Zukunft?

Die Chemie- und Pharmaindustrie ist die drittgrößte Industriebranche in Deutschland. Sie steht am Anfang fast aller Wertschöpfungsketten. Wenn es ihr schlecht geht, spürt das die ganze Wirtschaft. Und im Moment geht es ihr nicht gut.

Der VCI ist Europas größter Verband für Chemie und Pharma und vertritt rund 2.000 Unternehmen. Wolfgang Große Entrup ist seit 2019 sein Hauptgeschäftsführer.

Er spricht von einer Strukturkrise. Deutschland habe es zehn Jahre lang verpennt, den Standort zukunftsfest zu machen. Wir reden über Energiepreise, Steuern und Bürokratie, über Dumpingware aus China und darüber, warum die Chemiekrise im Land kaum jemand bemerkt. Es geht um die Lage der Pharmaindustrie und um Forschung, die ins Ausland abzuwandern droht. Es geht um das verlorene Vertrauen zwischen Politik und Unternehmern. Und es geht um Klimaschutz, der aus seiner Sicht nur mit der Industrie gelingt.

Außerdem erzählt er, wie Lobbyarbeit heute funktioniert und warum er die Politik coachen will. Er erklärt, wieso ein Verband bis 17 Uhr eine Meinung haben muss. Wir sprechen über seinen Weg vom Agraringenieur über den Bundestag, BASF und Bayer an die Spitze des VCI. Und wir sprechen über Führung in einem Verband, der nichts anordnen kann.

Zur Person: Wolfgang Große Entrup

Wolfgang Große Entrup hat Agrarwissenschaften an der Universität Bonn studiert und dort promoviert. Parallel zur Promotion arbeitete er im Deutschen Bundestag als Assistent eines Abgeordneten. 1994 wechselte er zur BASF, wo er zunächst in einer Stabsfunktion und später im operativen Geschäft in Vertrieb und Marketing tätig war. 2002 ging er zur Bayer AG und übernahm dort verschiedene Leitungsfunktionen, zuletzt verantwortete er den Bereich Sustainability & Business Stewardship. Mehrere Jahre führte er zudem als Vorstandsvorsitzender das Nachhaltigkeitsnetzwerk econsense. Seit Oktober 2019 ist er Hauptgeschäftsführer des VCI. Große Entrup stammt aus einer Landwirtsfamilie und lebt im Rheinland. Er ist verheiratet, hat Töchter und Enkelkinder, bezeichnet sich als alten Hockeyspieler und hatte nach eigener Aussage immer einen Rhodesian Ridgeback an seiner Seite.

Über den Verband der Chemischen Industrie

Der Verband der Chemischen Industrie wurde 1877 gegründet und hat seinen Sitz in Frankfurt am Main, dazu kommen Büros in Berlin und Brüssel. Er vertritt rund 2.000 Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland, vom Weltkonzern bis zum Familienunternehmen, und ist als Dachorganisation mit mehr als 20 Fachverbänden und sieben Landesverbänden aufgebaut. In der Geschäftsstelle arbeiten rund 120 Mitarbeitende. Die Branche, für die der VCI spricht, kam 2025 auf rund 230 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt etwa 545.000 Menschen. Sie ist damit die drittgrößte Industriebranche des Landes. Die Interessenvertretung richtet sich an Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung ebenso wie an die europäischen Institutionen in Brüssel. 2027 feiert der Verband sein 150-jähriges Bestehen.


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