Biotechnologie kann in diesem Jahrhundert den gleichen Impact haben wie die Digitalisierung in den letzten dreißig Jahren, sagt Daniel Donadille. In dieser Episode spreche ich mit dem CEO von Scientific Bioprocessing über seinen Weg vom Gründer bei Aachen an die Spitze eines amerikanischen Unternehmens, über das Gründen in Deutschland und über eine Branche, der wir hierzulande mit viel Skepsis begegnen.
Wie gründet man erfolgreich ein Biotech-Start-up?
Wer schlägt ein sicheres Jobangebot aus, um ein Biotech-Start-up zu gründen? Daniel Donadille hat 2014 genau das getan. Mit drei Kommilitonen hat er in der Nähe von Aachen das Unternehmen Aquila Biolabs gegründet. Sieben Jahre später folgte der Exit in die USA. Heute ist er CEO von Scientific Bioprocessing – und damit praktisch von dem Unternehmen, das damals seine Firma gekauft hat. Wie es dazu kam, erzählt er in dieser Episode.
Wir sprechen darüber, was es heute bedeutet, ein Unternehmen zu gründen. Daniel erklärt, warum es aus seiner Sicht eine Mischung aus Naivität und Überheblichkeit braucht, warum man am Anfang fast nichts von dem kann, was man tun muss, und warum ein Jahr Unternehmertum mehr lehrt als fünf Jahre Studium. Wir reden darüber, woran man erkennt, ob eine Idee nur angepasst werden muss oder eigentlich schon tot ist, warum Gründen von außen wie ein Boxkampf wirkt, in Wahrheit aber ein ständiges Wiederaufstehen ist, und warum Scheitern in Deutschland ein Makel ist.
Außerdem sprechen wir über die Biotechbranche. Kann sie zur nächsten großen Zukunftsindustrie in Deutschland werden? Und warum tun wir uns so schwer damit, hier wettbewerbsfähig zu werden?
Ein Gespräch über Gründen, Biotech und ganz viel Unternehmertum.
Zur Person: Daniel Donadille
Daniel Donadille, geboren als Daniel Grünes, wuchs in Bonn auf und besuchte dort eine international geprägte Schule. Anschließend studierte er Medical Sciences an der Maastricht University. Danach studierte Donadille am Karolinska Institut sowie an der KTH Royal Institute of Technology in Stockholm.
In Brüssel arbeitete er in der Interessenvertretung der Pharmaindustrie, unter anderem für den Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie und für MSD.
2014 gründete er gemeinsam mit drei Mitgründern Aquila Biolabs, ein aus dem Umfeld der RWTH Aachen hervorgegangenes Unternehmen für Sensorik und Datenanalyse in Bioprozessen.
Im April 2021 übernahm das US-Unternehmen Scientific Industries Inc. Aquila Biolabs. Donadille wechselte anschließend als Vice President of Research & Development and Operations zum daraus neu hervorgegangenen Unternehmen Scientific Bioprocessing. Heute ist er President und CEO des Unternehmens. Daneben engagiert er sich als stellvertretender Vorsitzender im nordrhein-westfälischen Life-Science-Cluster BioRiver und tritt als Speaker rund um die Themen Biotech und Gründen auf. Seit dem Verkauf von Aquila Biolabs investiert er außerdem in weitere junge Life-Science- und Deep-Tech-Unternehmen.
Privat lebt Donadille mit seiner Familie auf einem alten, während der Corona-Zeit gemeinsam restaurierten Mehrgenerationenhof nahe Bonn.
Das Unternehmen:
Scientific Bioprocessing, kurz sbi, ist die Bioprocessing-Sparte von Scientific Industries Inc., einem börsennotierten Laborgerätehersteller aus dem Bundesstaat New York. Mit der Übernahme von Aquila Biolabs im April 2021 kamen Sensorik und Datenanalyse aus Deutschland hinzu. sbi entwickelt Sensoren, Aktoren und Software, mit denen Forschende biologische Prozesse in Echtzeit überwachen und steuern können, etwa das Zellwachstum oder den Sauerstoffgehalt in Schüttelkolben und Bioreaktoren. Das Unternehmen selbst nennt diesen Ansatz „Digitally Simplified Bioprocessing“. Zu den Kunden zählen Start-ups, Universitäten und Konzerne von der Lebensmittel- bis zur Automobilindustrie. sbi arbeitet an Standorten in Wilmington, Delaware, in New York und in Baesweiler bei Aachen.






